Ausführliche Infos zur Pendlerpauschale, 2. Teil

Ausführliche Infos zur Pendlerpauschale, 2. Teil

Nur wenige Arbeitnehmer haben das Glück, dass sie direkt um die Ecke arbeiten und morgens bequem zur Arbeitsstätte schlendern können. Weit öfter ist es so, dass Arbeitnehmer pendeln müssen. Und das tägliche Pendeln kostet Zeit, Nerven und mitunter ordentlich Geld.

Ausführliche Infos zur Pendlerpauschale, 2. Teil

Da das auch der Gesetzgeber weiß, hat er die Möglichkeit geschaffen, die Fahrtkosten als beschränkt abzugsfähige Werbungskosten steuerlich geltend zu machen. Tatsächlich sind die Fahrtkosten oft auch der größte Abzugsposten in der Steuererklärung.

Allerdings wurden die Regelungen zur Pendlerpauschale immer wieder geändert. So hieß die Pauschale früher zum Beispiel Kilometerpauschale und wurde dann in eine verkehrsmittelunabhängige Entfernungspauschale umgewandelt. Auch die Sätze für die zurückgelegten Kilometer wurden mehrfach angepasst.

Um für Klarheit zu sorgen, haben wir einen Ratgeber mit ausführlichen Infos zur Pendlerpauschale erstellt. Dabei ging es im 1. Teil um die Grundsätze.

Jetzt, im 2. Teil, schauen wir uns an, was der Steuerzahler eigentlich absetzen kann und was nicht:

Pendlerpauschale unabhängig vom Verkehrsmittel

Die Pendlerpauschale gilt grundsätzlich unabhängig davon, wie der Steuerzahler den Weg zu seiner Arbeitsstätte zurücklegt. Das Finanzamt berücksichtigt generell 30 Cent pro Kilometer für die einfache, kürzeste Strecke zwischen Wohnung und Arbeit.

Selbst wenn der Steuerzahler zu Fuß zur Arbeit geht oder mit dem Fahrrad fährt, hat er also Anspruch auf die Pendlerpauschale. Ob und in welcher tatsächlichen Höhe er Aufwendungen hatte, spielt keine Rolle.

Folglich kann der Steuerzahler die Pendlerpauschale ebenso abziehen, wenn er öffentliche Verkehrsmittel nutzt.

Sollten die Kosten für das Kalenderjahr dabei höher sein als der Pauschalbetrag von 4.500 Euro, kann der Steuerzahler statt der Pauschale auch die tatsächlichen Ausgaben ansetzen. In diesem Fall sollte er aber Belege vorweisen können, sofern das Finanzamt nachfragt.

Seit 2012 prüfen die Finanzämter nur noch bezogen auf das gesamte Kalenderjahr, ob die Entfernungspauschale von 4.500 Euro oder die Summe der Ausgaben für die Fahrtkosten höher ist (Finanzgericht Münster, Az. 11 K 2574/12 E, Urteil vom 01.04.14). Davor hatten die Finanzämter die Kosten tageweise gegenübergestellt.

Fahrtkosten bei mehreren Verkehrsmitteln

Viele Arbeitnehmer greifen auf unterschiedliche Verkehrsmittel zurück, um zur Arbeit zu kommen. So fahren sie zum Beispiel mit dem Fahrrad zum Bahnhof oder mit dem Auto zu einem Park & Ride Punkt und von dort aus dann mit einem öffentlichen Verkehrsmittel weiter.

In solchen Mischfällen sollte der Steuerzahler zunächst die kürzeste Entfernung zwischen seiner Wohnung und der Arbeitsstätte ermitteln. Anschließend schlüsselt er auf, wie viele Kilometer er mit welchem Verkehrsmittel gefahren ist. Dabei kann er die tatsächlichen Kosten ansetzen, wenn diese höher sind als 4.500 Euro.

Zur Verdeutlichung ein Beispiel: Angenommen, die kürzeste Entfernung zwischen Wohnung und Arbeitsplatz beträgt 95 Kilometer. Diese Strecke hat der Steuerzahler an 220 Arbeitstagen zurückgelegt. Dabei ist er zunächst 15 Kilometer mit dem Auto zum Bahnhof gefahren und danach die restlichen 80 Kilometer mit dem Zug. Die Jahreskarte für die Bahn hat ihn 4.395 Euro gekostet.

Nun rechnet der Steuerzahler zuerst mit der Pendlerpauschale die Kosten für die beiden Teilstrecken aus und addiert diese anschließend:

  • 220 Arbeitstage x 15 Kilometer mit dem Auto x 0,30 Euro = 990 Euro

  • 220 Arbeitstage x 80 Kilometer mit dem Zug x 0,30 Euro = 5.280 Euro; allerdings liegt der Höchstbetrag bei 4.500 Euro

  • 990 Euro + 4.500 Euro = 5.490 Euro

Im Ergebnis kommt ein Betrag heraus, der höher ist als die tatsächlichen Kosten für die Fahrten mit der Bahn, denn das Jahresticket lag ja bei 4.395 Euro. Aus diesem Grund berücksichtigt das Finanzamt die 5.490 Euro als Pendlerpauschale.

Fahrtkosten bei einem Dienstwagen

Stellt der Arbeitgeber dem Steuerzahler einen Dienstwagen zur Verfügung, den dieser auch privat nutzen kann, muss der Steuerzahler diese Nutzung als geldwerten Vorteil versteuern.

Der Einfachheit halber wird der Steuerzahler dafür meist auf die pauschale Ein-Prozent-Regelung zurückgreifen. Die Lohnsteuer und die Sozialversicherungsbeiträge dazu führt der Arbeitgeber an den Fiskus ab.

Im Gegenzug kann der Steuerzahler die Fahrten zum Arbeitsplatz ganz normal über die Pendlerpauschale in die Steuererklärung eingetragen. An der Kilometerpauschale ändert sich durch den Dienstwagen somit nichts.

Absetzbare Aufwendungen bei einer Fahrgemeinschaft

Schließt sich der Steuerzahler für die Fahrten zur Arbeit einer Fahrgemeinschaft an, kann er die Pendlerpauschale für die kürzeste Entfernung zwischen seiner Wohnung und der Arbeitsstätte ansetzen.

Er muss also mit der Strecke rechnen, die für ihn maßgeblich ist. Das gilt auch dann, wenn er seine Mitfahrer zu Hause abholt und deswegen einen Umweg fahren muss.

Allerdings kann der Steuerzahler die Fahrtkosten bis zum Höchstbetrag von 4.500 Euro für jeden Arbeitstag anrechnen. Handelt es sich um eine Fahrgemeinschaft, bei der sich die Fahrer jeweils abwechseln, kann der Steuerzahler also auch für die Tage Fahrtkosten absetzen, an denen er nur Mitfahrer war.

Pendlerpauschale bei einem Jobticket

Seit Jahresbeginn 2019 kann der Arbeitgeber seinen Mitarbeitern eine Fahrkarte oder einen Zuschuss für Fahrten im öffentlichen Nahverkehr und im Personenfernverkehr spendieren.

Bekommt der Arbeitnehmer das Jobticket oder den Zuschuss zusätzlich zu seinem regulären Gehalt, bleibt die Leistung steuer- und sozialversicherungsfrei. Und der Arbeitnehmer kann die Fahrkarte nicht nur für den Weg zur Arbeit, sondern auch für private Fahrten einsetzen.

Diese Vergünstigung muss der Arbeitnehmer aber in der Steuererklärung angeben. Das Finanzamt reduziert daraufhin nämlich die Entfernungspauschale entsprechend.

Ein Beispiel:

Der Steuerzahler bekommt von seinem Arbeitgeber steuerfrei ein Jobticket für den öffentlichen Nahverkehr. Bei dem Jobticket handelt es sich eine Jahreskarte, die von April 2019 bis März 2020 gilt und einen Wert von 500 Euro hat.

Im Gegenzug für die Steuerfreiheit kürzt das Finanzamt die Pendlerpauschale des Steuerzahlers im Jahr 2019 um 375 Euro für die neun Monate, in denen das Jobticket gültig war. Die restlichen 125 Euro zieht es von der Pendlerpauschale im Jahr 2020 ab.

Ende 2019 soll voraussichtlich das Jahressteuergesetz 2019 in Kraft treten. Darin ist noch eine andere Möglichkeit vorgesehen.

Demnach kann der Arbeitgeber seinen Mitarbeitern ein Jobticket gewähren und dafür pauschal 25 Prozent Lohnsteuer (plus Solidaritätszuschlag und ggf. Kirchensteuer) abführen. Das hat zur Folge, dass das Finanzamt die Vergünstigung nicht mehr von der Entfernungspauschale des Steuerzahlers abzieht.

Mehr Ratgeber, Steuertipps und Anleitungen:

Thema: Ausführliche Infos zur Pendlerpauschale, 2. Teil

Ausführliche Infos zur Pendlerpauschale, 1. Teil

Ausführliche Infos zur Pendlerpauschale, 1. Teil

Wer täglich zur Arbeit pendeln muss, investiert nicht nur Zeit und Nerven. Vielmehr können sich die Fahrten vor allem bei größeren Entfernungen auch im Geldbeutel deutlich bemerkbar machen. Für viele Arbeitnehmer sind die Fahrtkosten deshalb einer der größten Posten, die sie in der Steuererklärung geltend machen können.

Ausführliche Infos zur Pendlerpauschale, 1. Teil

Nun tauchen rund um die Kilometerpauschale aber immer wieder Fragen auf. Das liegt auch daran, dass die Regelungen mehrfach geändert wurden. In einem mehrteiligen Ratgeber vermitteln wir deshalb ausführliche Infos zur Pendlerpauschale.

Ausführliche Infos zur Pendlerpauschale, 1. Teil weiterlesen

10 Steuerspar-Tipps für Unternehmer

10 Steuerspar-Tipps für Unternehmer

Wer selbstständig ist, trägt nicht nur ein unternehmerisches Risiko. Vielmehr muss der Unternehmer auch Arbeit, Zeit und Geld investieren, um auf lange Sicht konkurrenzfähig zu bleiben und Gewinne zu erzielen. Hat sich die Firma dann auf dem Markt etabliert und steigen die Umsätze, ist das einerseits ein großer Erfolg.

10 Steuerspar-Tipps für Unternehmer

Doch andererseits führen höhere Gewinne auch zu höheren Abgaben. Und spätestens dann kann das Senken der Steuerlast zu einem wichtigen Thema werden, um den Unternehmenserfolg nicht zu gefährden.

10 Steuerspar-Tipps für Unternehmer weiterlesen

Die 6 wichtigsten Fragen zur Hundesteuer

Die 6 wichtigsten Fragen zur Hundesteuer

Neben Katzen zählen Hunde zu den beliebtesten Haustieren. Mehrere Millionen Tiere werden hierzulande gehalten und nicht selten gehört der Vierbeiner fest zur Familie. Allerdings ist ein Hund nicht ganz billig. Denn mit der Anschaffung und den laufenden Kosten für Futter, Spielzeug, Versicherung und Tierarzt ist es nicht getan.

Die 6 wichtigsten Fragen zur Hundesteuer

Vielmehr fällt auch die Hundesteuer an. Doch genau an diesem Punkt scheiden sich die Geister. So empfinden Hundehalter die Steuer oft als ungerecht, während sie Hundegegnern gar nicht hoch genug sein kann.

Die 6 wichtigsten Fragen zur Hundesteuer weiterlesen

Keine Kirchensteuern mehr: FAQ zum Kirchenaustritt, Teil 2

Keine Kirchensteuern mehr: FAQ zum Kirchenaustritt, Teil 2

Jedes Jahr entschließen sich Zehntausende dazu, ihrer Religionsgemeinschaft den Rücken zu kehren. Und dabei sind die Gründe sehr unterschiedlich. Mal ist es die Unzufriedenheit mit der Kirche als Institution, mal ist der Glaube nicht mehr da, in anderen Fällen ist ein Konfessionswechsel geplant oder der Austritt hat einen anderen, ganz persönlichen Grund.

Keine Kirchensteuern mehr FAQ zum Kirchenaustritt, Teil 2

Sehr oft ist es aber auch die Kirchensteuer, die zum Kirchenaustritt veranlasst.

Nun ist die Sache mit dem Austritt aus der Kirche aber ein bisschen komplizierter. Denn eigentlich sind in Deutschland die Kirche und der Staat voneinander getrennt.

Keine Kirchensteuern mehr: FAQ zum Kirchenaustritt, Teil 2 weiterlesen

Keine Kirchensteuern mehr: FAQ zum Kirchenaustritt, Teil 1

Keine Kirchensteuern mehr: FAQ zum Kirchenaustritt, Teil 1

Wer sich dazu entschließt, aus der Kirche auszutreten, kann verschiedene Gründe dafür haben. So ist der eine mit der Kirche als Institution unzufrieden, der andere hat den Glauben verloren. Wieder ein anderer möchte die Konfession wechseln oder hat einen ganz anderen, individuellen Grund.

Keine Kirchensteuern mehr FAQ zum Kirchenaustritt, Teil 1

Oft ist es aber auch die Kirchensteuer, die so manchen dazu veranlasst, der Religionsgemeinschaft den Rücken zu kehren.

Keine Kirchensteuern mehr: FAQ zum Kirchenaustritt, Teil 1 weiterlesen

Weiterbildungskosten absetzen – Infos und Tipps, Teil 2

Weiterbildungskosten absetzen – Infos und Tipps, Teil 2

Ein Arbeitnehmer profitiert gleich in zweierlei Hinsicht von einer berufsbedingten Fort- oder Weiterbildung. Denn zum einen macht er mit Blick auf seine beruflichen Qualifikationen einen Schritt nach vorne. Und zum anderen kann er die entstandenen Weiterbildungskosten absetzen und so seine Steuerlast senken.

Weiterbildungskosten absetzen - Infos und Tipps, Teil 2

Allerdings müssen bei der Steuerklärung ein paar Kleinigkeiten beachtet werden. In einem zweiteiligen Beitrag haben wir die wichtigsten Infos und Tipps rund um das Absetzen von Weiterbildungskosten zusammengestellt.

Weiterbildungskosten absetzen – Infos und Tipps, Teil 2 weiterlesen

Weiterbildungskosten absetzen – Infos und Tipps, Teil 1

Weiterbildungskosten absetzen – Infos und Tipps, Teil 1

Wer aus beruflichen Gründen eine Fort- oder Weiterbildung macht, kann die Kosten, die ihm dadurch entstehen, steuerlich geltend machen. So lohnt sich die Weiterbildung also gleich doppelt. Denn der Steuerzahler kommt beruflich vorwärts und kann gleichzeitig seine Steuerlast senken.

Weiterbildungskosten absetzen - Infos und Tipps, Teil 1

Wie so oft bei der Steuererklärung müssen aber einige Dinge beachtet werden.

In einem zweiteiligen Beitrag haben wir die wichtigsten Infos und Tipps zum Absetzen der Weiterbildungskosten zusammengetragen!

Weiterbildungskosten absetzen – Infos und Tipps, Teil 1 weiterlesen

Die Kosten für die Steuerberatung absetzen

Die Kosten für die Steuerberatung absetzen

Sich ohne Hilfe durch die Steuererklärung arbeiten? Viele Steuerzahler haben Bedenken, ob sie das alleine hinbekommen. Also lassen sie sich von einem Steuerberater oder einem Lohnsteuerhilfeverein helfen. Nur gibt es die Unterstützung leider nicht umsonst.

Die Kosten für die Steuerberatung absetzen

Aber der Steuerzahler kann die Kosten für die Steuerberatung absetzen – wenn auch nur anteilig.

Wir erklären, was es in Sachen Steuerberatungskosten zu beachten gilt:

Die Kosten für die Steuerberatung absetzen weiterlesen

5 Fragen zur Steuererklärung für Rentner

5 Fragen zur Steuererklärung für Rentner

Mit dem Eintritt in den Ruhestand endet für viele Rentner zwar das Arbeitsleben. Doch das heißt nicht, dass damit auch der Papierkram ein Ende hat. Denn wenn das steuerpflichtige Einkommen höher ist als der jährliche Grundfreibetrag, ist der Ruheständler dazu verpflichtet, eine Steuererklärung abzugeben.

5 Fragen zur Steuererklärung für Rentner

Aber was heißt das konkret? Wir beantworten fünf Fragen zur Steuererklärung für Rentner!

5 Fragen zur Steuererklärung für Rentner weiterlesen