Spenden: Woran man seriöse Spendensammler erkennt

Spenden: Woran man seriöse Spendensammler erkennt

Mal sind es eine Naturkatastrophe oder ein Ausnahmezustand in einem Krisengebiet, mal Projekte für Notleidende in den Ländern der Dritten Welt und mal der Umwelt- oder der Tierschutz: Regelmäßig wird dazu aufgerufen, das jeweilige Vorhaben mit einer Spende zu unterstützen. Doch längst nicht alle Spendensammler sind so engagierte Wohltäter, wie sie vorgeben zu sein.

Der folgende Beitrag erklärt, woran man seriöse Spendensammler erkennt – und wann Vorsicht geboten ist:

Die große Spendenbereitschaft

In Deutschland gibt es rund 580.000 Vereine und knapp 19.000 Stiftungen, die von Spenden profitieren. Im vergangenen Jahr (2013) kamen durch verschiedene Aufrufe und Aktionen Spendengelder von über 4,7 Milliarden Euro zusammen. Einerseits ist es natürlich ein sehr gutes Zeichen, wenn Menschen bereit sind, anderen zu helfen.

Und selbstverständlich ist es löblich, andere zu unterstützen, wenn es die eigenen Finanzen zulassen. Andererseits ruft die große Hilfsbereitschaft leider auch immer wieder schwarze Schafe auf den Plan. Ihnen geht es nicht darum, mit dem eingesammelten Geld Gutes zu tun. Stattdessen möchten sie auf diese Weise ihre eigenen Taschen füllen.

Wer sicher sein möchte, dass seine Unterstützung tatsächlich dort ankommt, wo sie gebraucht wird, sollte deshalb nicht allzu leichtgläubig zum Geldbeutel greifen. Denn leider gilt auch und gerade im Zusammenhang mit Spenden das Motto, dass Vertrauen gut, Kontrolle aber besser ist.

Spendenbriefe

In vielen Briefkästen landen immer wieder Spendenaufrufe. Darunter sind Aufrufe von Organisationen, an die der Empfänger schon einmal gespendet hatte. Durch seine Spende ist er nämlich in der Adressdatenbank und wird auch in den Folgejahren mit der Bitte um eine erneute Gabe angeschrieben.

Andere Spendenbriefe haben den Charakter von Werbepost und werden an unzählige Adressaten verschickt. Auch Spendenorganisationen greifen nämlich auf kommerzielle Adresshändler zurück, die ihre Daten beispielsweise aus Telefon- und Adressverzeichnissen, durch Gewinnspielteilnahmen oder von Versandhändlern beziehen.

Zusatzinformationen wie das Geschlecht, das Alter, der Familienstand, der Beruf oder die Höhe der getätigten Einkäufe machen es möglich, potenzielle Spender in verschiedene Gruppen einzuteilen. Wer einen Bettelbrief erhält und sich nicht sicher ist, wie seriös und glaubwürdig die Organisation ist, sollte sich vor einer Spende weitere Informationen einholen. Im Internet finden sich häufig Kommentare und Bewertungen, die eine recht gute Einschätzung ermöglichen. Daneben kann der Adressat die Organisation bitten, ihm den Jahresbericht zuzuschicken.

Eine seriöse Organisation wird dieser Bitte ohne Weiteres nachkommen. Vorsicht ist geboten, wenn ein Spendenbrief nicht mit klaren Informationen, konkreten Daten und nachvollziehbaren Fakten argumentiert, sondern rein auf die emotionale Ebene abzielt. Plakative Aussagen, ergreifende Texte, Mitleid erregende Beschreibungen und erschütternde Fotos sind beliebte Werbemittel von unseriösen Organisationen.

Spendensammlungen auf der Straße

Nur noch in Rheinland-Pfalz, im Saarland und in Thüringen muss eine geplante Spendensammlung bei der zuständigen Behörde angemeldet und von ihr genehmigt werden. Rheinland-Pfalz ist außerdem das einzige Bundesland, in dem es mit der Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD) eine Landesbehörde gibt, die für öffentliche Spendensammlungen zuständig ist.

In allen anderen Bundesländern muss lediglich ein Verein mit einer Satzung gegründet werden, danach kann die Spendensammeltour auch schon beginnen. Anders als früher muss die Sammelbüchse auch nicht mehr verplombt sein. Regelungen, die vorgeben, wie die Münzen und Scheine vor einem unberechtigten Zugriff geschützt werden müssen, gibt es kaum noch. Ähnlich wie bei den Bettelbriefen arbeiten auch unseriöse Spendensammler gerne mit Fotos oder Szenarien, die Mitleid erregen sollen.

Zudem setzen sie darauf, dass sich viele im Vorbeigehen zu einer spontanen Spende animieren lassen. Wer unsicher ist, sollte deshalb zunächst abwinken und sich über die Organisation erkundigen. Eine seriöse Organisation nimmt eine Spende per Überweisung auch zu einem späteren Zeitpunkt gerne entgegen.

Zudem wird sie kein Problem damit haben, dem Spendenden zu erläutern, wie und wofür die Spendengelder verwendet werden. Erfolgt die Spende an eine Organisation oder einen Verein, die als gemeinnützig anerkannt sind, kann die Spende außerdem von der Steuer abgesetzt werden.

Fördermitgliedschaften

Statt einer Einmalspende versuchen zwielichtige Organisationen gerne, dem Spendenwilligen gleich eine längerfristige Mitgliedschaft unterzuschieben. Durch eine solche Fördermitgliedschaft verpflichtet sich der Spendende, jeden Monat einen bestimmten Betrag als Spende von seinem Konto abbuchen zu lassen.

Die Höhe der Monatsbeiträge kann sehr unterschiedlich ausfallen. Das Problem an einer Fördermitgliedschaft ist, dass der Spendenwillige den Vertrag meistens nicht widerrufen kann. Die Regelungen, die für Haustürgeschäfte gelten, finden hier nämlich meist keine Anwendung.

Erschwerend kommt hinzu, dass die Beiträge, die durch Fördermitgliedschaften eingesammelt werden, oft nur zu einem sehr geringen Anteil in gemeinnützige Projekte fließen. Ein Großteil wird stattdessen für Werbung und Verwaltung verwendet.

Ein Siegel für seriöse Spendensammler

Eine professionell gestaltete Internetseite mit einer Fülle an vertrauensvoll dargestellten Informationen muss nicht unbedingt eine Garantie für die Seriosität einer Organisation sein. Ein verlässlicheres Indiz ist, wenn im Impressum namentlich ein Ansprechpartner genannt und eine richtige Adresse angegeben sind.

Zudem gibt der Jahresbericht Aufschluss über die Aktivitäten der Organisation. Auch das Siegel, das das Deutsche Zentralinstitut für soziale Fragen (DZI) vergibt, sorgt für Sicherheit. Das DZI-Siegel wird Organisationen erteilt, die sachlich werben, mit Bedacht wirtschaften und die Verwendung der Spendengelder nachprüfbar aufzeigen. Allerdings müssen sich Organisationen von sich aus beim DZI melden und die Prüfung bezahlen, wenn sie in die Liste des DZI aufgenommen werden möchten.

Vor allem kleinere Organisationen sparen diese Kosten häufig ein. Wenn das DZI-Siegel nicht vorhanden ist, heißt das also nicht automatisch, dass die Organisation förderungsunwürdig oder unseriös ist. Das Siegel sorgt nur für zusätzliche Sicherheit.

Spenden und Steuern

Wer spendet, handelt natürlich in erster Linie gemeinnützig. Allerdings ist es nicht verwerflich, seine Wohltätigkeit zu nutzen, um die Steuerlast ein wenig zu senken. Steuern unter 200 Euro können ohne Weiteres in die Steuererklärung eingetragen werden.

Ein Nachweis ist nur dann erforderlich, wenn ihn das Finanzamt ausdrücklich anfordert. Übersteigt der gespendete Betrag die 200 Euro-Grenze, ist es sinnvoll, die entsprechenden Belege gleich mit einzureichen. Viele Organisationen stellen von sich aus am Jahresende eine Quittung aus, wenn die Spendenhöhe über 40 Euro lag. Ansonsten kann der Spendende einen entsprechenden Beleg anfordern.

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